Mathilde Vaerting: Wahrheit und Irrtum in der Geschlechterpsychologie



Im Jahr der Publikation wurde Mathilde Vaerting als zweite Frau Inhaberin eines Lehrstuhls an einer deutschen Universität: sie war in Jena Professorin für Pädagogik. Unmittelbar nach der `Machtergreifung` wurde sie 1933 entlassen, sie mußte mehrere ausländische Lehrangebote ausschlagen und wurde dann nach 1945 bei der `Neu`-Formierung der Ordinariate schlicht vergessen. Ein folgenschwerer Fehler: weil Frauen wie Vaerting aus Forschung und Lehre vertrieben blieben, dauerte es bis ans Ende der sechziger Jahre, bevor sich Frauen begannen zu bewegen. Dabei hatte Vaerting bereit in den Zwanzigern die entscheidene Genderfrage gestellt: "Mit jeder Vorherrschaft, ganz gleichgültig, wer die Träger sind, geht das Bestreben einher, Unterschiede zwischen den Herrschenden und den Beherrschten nicht nur in der Praxis auszubilden, sondern auch in der Theorie festzuleben... Aus diesem Grunde wird erstens bei jeder Geschlechtsvorherrschaft ein ganz allgemeiner Kampf gegen eine Annahme der Ähnlichkeit von Mann und Weib geführt ... Und zweitens werden in der Theorie vor allem Unterschiede festgelegt, welche eine Überlegenheit der Herrschenden und eine Inferiorität der Beherrschten zum Ausdruck bringen soll." (S.1)


Vaerting, Mathilde: Wahrheit und Irrtum in der Geschlechterpsychologie (= Neubegründung der Psychologie von Mann und Weib, Bd. II) Verlag G. Braun, Karlsruhe, 1923. 254 Seiten 8° , Halbleinen


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