Frauenwesen



Die männliche Beschäftigung mit den Frauen ist allgegenwärtig – und vielfältig reizbar. Dabei konnte sich der abendländische Mann zwei Jahrtausende lang sicher sein. Die philosophischen Vordenker Platon und Aristoteles (u.a.) hatten entschieden: der Mensch war als Mann geschaffen, die Frau war ein defizitärer Mann, der Mann war zur Führung bestimmt. „Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist von Natur aus derartig, daß der Mann über der Frau steht, daß der Mann herrscht und die Frau beherrscht wird“ (Aristoteles). Dieses „Eingeschlechtermodell“ (Thomas Laqueur) wurde auch zum Paradigma christlicher Weltanschauung. Augustinus glaubte fest, daß das Weib als „ein minderwertiges Wesen...von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde“. Erst die bürgerliche Notwehr gegen die kirchliche Heiligung der ordo socialis inklusive ihrer fürstlichen Unterdrückung und Willkür nötigte zu einer Blickänderung. Gegen die theologisch approbierte Unterscheidung von Ständen und Privilegien setzte die neue Weltanschauung ein revolutionäres Menschenbild: „Der Mensch (hat) seine außerordentlich Würde, weil er eine Seele besitzt, die unsterblich ist und erleuchtet durch das Licht seines Verstandes“ (Samuel von Pufendorf). Menschen haben 'von Natur aus' gleiche Rechte. Dieses Naturrecht des Menschen war nicht teilbar. Im Kampf um gesellschaftliche Veränderungen war damit aber auch die bisherige Metaphysik der männlichen Frauendiskriminierung unpraktikabel. Die Philosophen waren gefordert und lieferten. Zum Beispiel Christian Thomasius: er versicherte seinen Zeitgenossen, daß es für alle Menschen gleichermaßen darum geht, den affektdominierten Willen unter die Kontrolle der Vernunft zu bringen. Dabei sind nun aber die Frauen „schwächere Creaturen“ als Männer. Die Geschlechterordnung ist somit nach „den Regeln des Gerechten“ nicht begründbar, „sie folget aber dennoch aus den Regeln … der natürlichen Schwachheit“ des weiblichen Geschlechts. Das Paradigma der „Zweigeschlechtlichkeit“ (Thomas Laqueur) war erfunden, die Geschlechterordnung als Gebot der „unendlich weise(n) Natur“ (Carl Friedrich Pockels) unverhandelbar. Und die Frau war deren „sanfteste Gabe“:

sie soll „Friede im Herzen des Mannes verbreiten, durch sie soll sich der Tumult der Leidenschaften bey ihm legen. An ihrem Busen soll er ausruhen von seiner Arbeit, durch ihre sanfte Aufheiterungen vergessen alles des Ungemaches des bürgerlichen Lebens , vergessen den Druck des Großen, den Neid der Mitbürger durch den Anblick eines sanften, treuen, liebenden Herzens“. (Ernst Brandes)

Und wird dies bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts – mit zeitgerechten Pointierungen - der Imperativ für die 'ideale Frau'. Noch 1959 stellte eine vielfach aufgelegte Kultur- und Sittengeschichte zum 'Geheimnis Frau' fest:

„Die vollkommene Ehefrau unseres Zeitalters … ist gewissermaßen sein Aushängeschild, die Visitenkarte... Ein Mann kommt … am besten vorwärts, wenn er eine schöne Frau hat.“ (René Ormonde)

So wird dann die Zeit zwischen dem ausgehenden 18. und dem ausgehenden 20 Jahrhunderts zur Epoche einer Mädchen- und Frauenbildung nach männlichem Gusto. Dabei spielen Bücher eine wichtige Rolle: es geht um die Zähmung der Phantasie, die Aushegung von Wunschwelten, die Einübung des Gebotenen, um Exempel gelungener Idealität.

 

 



Albertus Magnus:
Daraus man alle heimligkeit des
Weiblichen geschlechts erkennen kann


 



Stefan Bollmann:
Frauen, die lesen, sind
gefährlich


 


Emanuele Meyer:
Vom Mädchen zur Frau


 



August Forel:
Die sexuelle Frage


 



Margaret Mead:
Mann und Weib


 



Reinhard Pohanka:
Pikant und galant


 


Norman Mailer:
Marilyn Monroe


 



Thérèse Dillmont:
Encyklopaedie der weiblichen
Handarbeiten


 




Spiegel Der regiersichtigen
bösen Weibereien


 



Ariès, Béjin, Foucault:
Die Masken des Begehrens


 



Henriette Davidis:
Beruf der Jungfrau


 



Heinz Graupner:
So gefällst Du mir...


 



Paul Mantegazza:
Die Hygiene der Liebe


 



Louis Létang:
Eine schöne Frau


 



Lothar Philipp Mayring:
Kleider machen Bräute


 
 


Kommentierte Bücher zum Thema:


Zur Artikelliste