Anonymus: Wie Louise von Birkenstein zur Erkenntnis Gottes kam


In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Kinderzimmer zum Ort erbaulicher Lektüre. An der Zähmung der kindlichen Phatasie beteiligten sich Autoren, die Geschichten mit Exempeln lieferten, deren Moral wegweisend wirken sollte. Auf diesem Markt der Erziehungshilfe war der genannte Chrostoph Schmid ein prominenter Lieferant, dessen Protagonist `Heinrich von Eichenfels` die Kinder bis heute in vielen Auflagen, als Hörbuch und digital überkam. Der Wiener Verleger Franz Wimmer, der u. a. auf relgiöse Einstimmungsliteratur spezialisiert war, sah hier offenbar eine Chance: er verschaffte einem Anonymus die Möglichkeit, seine kleinen "literarischen Arbeiten zur Bildung der zarten weiblichen Jugend" auf den Markt zu bringen. Und die Geschichte ist komplementär gemeint: Schmids `Heinrich` ist die Geschichte eines kleinkindlichen Adelssprößlings, der von einer "alten, häßlichen ... (Zigeunerin), mit pechschwarzen Haaren und einem gelbbraunen Gesichte" geraubt und in eine "schauerliche Höhle" gesperrt wurde. Als "Knabe" gelingt ihm die Flucht, auf der er bei einem "alten, sehr ehrwürdigen Einsiedler" landet, der ihm zunächst die Welt und dann Gott erklärt. Die Louise des anonymen Schreibers ist eine Halbwaise, die in die Hände eines Armeniers gerät, der sie auf eine Reise mitnimmt, die den jugendlichen Leser als Bildungsreise beeinrucken will: zuerst bei Piraten, dann bei Sklavenhändlern, danach bei einem "Alten" mit "rauher Hülle" und trefflichem Herz" usw. Am Ende kommt sie - wie Heinrich - bei einem "ehrwürdigen Mann" zur Ruhe, der auch ihr die Welt und Gott erklärt.


Anonymus: Wie Louise von Birkenstein zur Erkenntiß Gottes kam. Leitsterne für Mädchen zu ihrem zeitlich und ewigen Wohl. Als Gegenstück zu dem Werkschen des Herrn Canonicus Christoph Schmid: Wie Heinrich von Eichenfels zur Erkenntniß Gottes kam. Vom Verfasser der 'tugendhaften Mädchen...'; Verlag Franz Wimmer, Wien, 1832. 108 Seiten; 12° , Halbleinen

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