Frédéric Jean Bettex: Mann und Weib

Bettex war gelernter Mathematiker, Naturwissenschaftler und Kusthistoriker, er arbeitete als Lehrer in Schottland, in Ludwigsburg und am Bodensee und war dann ein viertel Jahrhundert lang Zeichenlehrer an dem Evangelischen Töchterinstitut in Stuttgart. Wikipedia vermerkt: "Bettex ist bekannt durch seine apologetischen Bücher, die solide naturwissenschaftliche und historische Kenntnisse widerspiegeln". Der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Hemminger (er war in dieser Funktion zwischen 1997 und 2013 tätig) sieht den großen Zusammenhang: "die Stärke von Frédéric Bettex liegt, wie ich meine, nicht so sehr in seinem logischen Argumentieren, sondern in dem visionären Mut, mit dem er aus den Ergebnissen der Naturwissenschaft seiner Zeit ein Bild der Natur als Schöpfung formte, mit dem er hinter den Tatsachen und Theorien von Physik und Biologie wieder einmal, wie schon Johannes Kepler und wie der große Galilei, eine Gottesoffenbarung entdeckte. Mit anderen Worten: so andächtig und so gläubig Bettex im Buch der Bibel las, so andächtig las er im Buch der Natur, und er las die Handschrift seines Schöpfers und Erlösers heraus." Das Zitat stammt aus einem `Geleitwort`, das Hemminger der Veröffentlichung eines Glaubensbruders schrieb: Christoph Raedel (Von der Weisheit des Glaubens. Jean Frédéric Battex als christlicher Apologet, Göttingen 2006). Auch Raedel testiert Battex: "Er sah sich als ein Werkzeug des lebendigen Gottes, und der Gewißheitsanspruch der von ihm vorgetragenen Überzeugungen gründete für ihn in der Offenbarung Gottes, wie er sie verstand". (S.17) In diesem Zusammenhang ist Bettex`s Schrift `Mann und Weib` ein spannendes Dokument: wie sieht ein gläubiger, theosophisch eingefärbter, evangelischer Autor des 19. Jahrhunderts, was wir heute als Gender-Problem debattieren. Und in dieser Frage ist seine Meinung unter Männern auch heutzutage womöglich mehrheitsfähig. Er erklärt in seinem Vorwort programmatisch: "vorliegendes Werk ... will nicht die so weit verzweigte Frauenfrage von einem speziellen Standpunkt, also weder vom ausschließlich sociologischen, noch staatsökonomischen, noch polizeilich sittlichen, noch humanistische wohlthätigen Standpunkt aus behandeln. Sondern darin wird untersucht, inwiefern Mann und Weib verschiedene Naturen sind." Nun waren in dieser Zeit (1897) bereits Frauen wie Clara Zetkin unterwegs. Und denen nimmt er sein Ergebnis vorweg: da "Mann und Weib verschiedene Naturen sind", sind "logischerweise ebenso ihre Aufgaben und auch ihre Rechte" verschieden. "Dann ist es ein Unrecht an beiden, diese Unterschiede verwischen zu wollen, und diese Versuche müssen auf allen Gebieten sich als unersprießliche erweisen." Die Männer-verwirrende Gender Frage klärt er auf Seite 7: "...schon die geringere Größe und Masse des Weibes deutet auf eine weniger gewichtige Persönlichkeit. Ebenso, daß der Mittelpunkt ihrer Körperlichkeit tiefer liegt als beim Manne, und daß die schönen, weichen, runden, anmutigen Formen einem ebensolchen Seelenleben entsprechen, während die härteren des Mannes, die breiteren Schultern und die hervortretenden Muskeln auf Kraft zum Kampf und bezwingender Arbeit weisen."


Bettex, Frédéric Jean: Mann und Weib. Erweiterter Abdruck aus des Verfassers `Natur und Gesetz`, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig, 1897.